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GEWALTLOSE POLITISCHE GEFANGENE

 

Frau Birtukan Mideksa

Anwältin und Ex-Richterin

CUD-Vizevorsitzende,

Avocat et directeur de ActionAid


Birtukan Mideksa

 

Mehr als ein Dutzend führende Mitglieder der oppositionellen „Koalition für Einheit und Demokratie“ (Coalition for Unity and Democracy - CUD), darunter Frau Birtukan Mideksa, CUD-Vizevorsitzende, Anwältin und Ex-Richterin, gehören zu Hunderten von Menschen, die nach Protestdemonstrationen gegen das angefochtene Ergebnis der Parlamentswahlen in Haft genommen wurden. Sie sind in Gefahr, misshandelt und gefoltert zu werden. Nach Ansicht von amnesty international handelt es sich bei den namentlich oben genannten Personen um gewaltlose politische Gefangene, die allein wegen der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert worden sind.

 

Den Festnahmen gingen Demonstrationen in der Hauptstadt Addis Abeba am 1. und 2. November 2005 voraus, die sich gegen das umstrittene Ergebnis der Parlamentswahlen vom 15. Mai dieses Jahres richteten. Zahlreiche Mitglieder und mutmaßliche Mitglieder der CUD sowie Journalisten und Menschenrechtsverteidiger sind Berichten zufolge systematisch von der Polizei in ihren Wohnungen festgenommen worden. Zu den Inhaftierten gehören der CUD-Vorsitzende Hailu Shawel, der bei der Festnahme von der Polizei geschlagen worden sein soll. Der 75-jährige Professor Mesfin Woldemariam, ehemaliger Vorsitzender des „Äthiopischen Menschenrechtsrates“ (Ethiopian Human Rights Council - EHRCO), kam am 1. November 2005 in Haft. Der angesehene Publizist und Menschenrechtler war vor kurzem von seinem Posten beim EHRCO zurückgetreten, um im Wahlkampf die CUD zu unterstützen. In den vergangenen drei Monaten war er wegen Rückenbeschwerden bettlägerig gewesen und benötigt deswegen medizinische Versorgung und physiotherapeutische Betreuung. amnesty international ist um seine Gesundheit besorgt, da Gefangene in Äthiopien insbesondere in den ersten Tagen nach ihrer Festnahme Misshandlungen ausgesetzt sind. Sie müssen auf einem kalten Betonboden übernachten, dürfen keine Lebensmittel und Kleidung von außen in Empfang nehmen und werden auch nicht medizinisch versorgt. Unklar ist, ob Professor Mesfin Woldemariam seine Schmerzmittel mitnehmen durfte. Nach seiner Festnahme durchsuchte die Polizei Berichten zufolge seine Wohnung und beschlagnahmte eine Reihe von Dokumenten.

 

Die Behörden haben nicht mitgeteilt, wo sich die Inhaftierten befinden. Meldungen deuten darauf hin, dass viele von ihnen in der Zentrale des Sicherheitsdienstes (Maikelawi) in Addis Abeba sind. Soweit bekannt, ist niemand von ihnen binnen der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 48 Stunden einem Richter vorgeführt worden.

 

Einsatzkräfte der Polizei haben Berichten zufolge in mehreren Stadtteilen von Addis Abeba scharfe Munition gegen Demonstranten eingesetzt. Dabei wurden über 30 Personen getötet und 150 schwer verletzt. Die Protestkundgebungen verliefen Angaben zufolge zunächst friedlich, es kam aber zu Gewalttätigkeiten, als die Polizei begann, auf die Demonstranten zu schießen. Zwei Polizisten sollen sich unter den Toten befinden.

 

Bereits am 31. Oktober 2005 hatte es eine Reihe von gewaltlosen Protestaktionen gegeben, zu denen die CUD aufgerufen hatte, die das Wahlergebnis wegen angeblichen Wahlbetrugs der herrschenden „Äthiopischen Revolutionären Demokratischen Front“ (Ethiopian Revolutionary Democratic Front - EPRDF) von Ministerpräsident Meles Zenawi nicht anerkennen will und das Parlament boykottiert. Etwa 30 Taxifahrer wurden festgenommen, weil sie in den Tagen zuvor aus Protest ein Hupkonzert veranstaltet hatten. Ihr Haftort ist unbekannt. Die Behörden haben die CUD wiederholt bezichtigt, eine „gewaltsame Verschwörung“ zu planen und Regierungschef Meles Zenawi hat kürzlich Hailu Shawel des Landesverrats beschuldigt. Die CUD hat indes bekräftigt, an ihrer gewaltfreien Opposition und friedlichen Protesten festhalten zu wollen.

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

 

Am 8. Juni 2005 erschossen Soldaten in Addis Abeba mindestens 42 Personen, die gegen angeblichen Wahlbetrug bei den Parlamentswahlen vom 15. Mai protestiert hatten. Überdies wurden Tausende von Anhängern der Opposition festgenommen und unter sehr schlechten Haftbedingungen in Gewahrsam gehalten. Einige von ihnen wurden zudem brutal verprügelt. Nach einigen Wochen kamen sie nach kurzen Anhörungen gegen Kaution frei (siehe UA 261/05 und weitere Informationen).

 

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie

 

sich angesichts der jüngsten Massenfestnahmen Hunderter Funktionäre und Mitglieder der Oppositionspartei CUD besorgt zeigen;

die sofortige und bedingungslose Freilassung von Professor Mesfin Woldemariam, Hailu Shawel und aller weiteren Häftlinge fordern, die allein wegen der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert wurden und somit gewaltlose politische Gefangene sind;

fordern, dass alle Inhaftierten menschenwürdig behandelt und weder misshandelt noch gefoltert werden;

sich über den Gesundheitszustand von Professor Mesfin Woldemariam besorgt zeigen und fordern, dass er umgehend in ein Krankenhaus verlegt und in erforderlichem Maße medizinisch versorgt wird;

darauf dringen, dass man allen Inhaftierten umgehend Zugang zu ihren Familienangehörigen, Rechtsanwälten und erforderlicher medizinischer Versorgung gewährt;

darauf dringen, dass die Sicherheitskräfte mit Ausnahme von Notwehrsituationen keine todbringende Gewalt gegen Demonstranten einsetzen, und eine unabhängige Untersuchung der durch Schüsse getöteten und verletzten Demonstranten fordern.

APPELLE AN:

 

His Excellency Meles Zenawi, Prime Minister, Prime Minister's Office, PO Box 1031, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN (Premierminister - korrekte englische Anrede: Your Excellency)

Telefax: (00 251) 11-552 020; (00 251) 11-552 030

 

Mr Assefa Kesito, Minister of Justice, Ministry of Justice, PO Box 1370, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN (Justizminister – korrekte englische Anrede: Dear Minister)

Telefax: (00 251) 11-517 775, (00 251) 11-520 874

E-Mail: ministry-justice@telecom.net.et

 

Mr Workneh Gebeyehu, Commissioner of Police, Ministry of Federal Affairs, PO Box 5068, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN (Polizeichef – korrekte englische Anrede: Dear Commissioner)

 

KOPIEN AN:

 

Mr Seyoum Mesfin, Ministry of Foreign Affairs, P O Box 393, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN

(Außenminister – korrekte Anrede: Dear Minister)

Telefax: (00 251) 11-514 300

E-Mail: mfa.addis@telecom.net.et

 

Kanzlei der Botschaft der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien, Boothstraße 20 a, 12207 Berlin

S. E. Herrn Hiruy Amanuel

Telefax: 030-772 0624

E-Mail: Emb.ethiopia@t-online.de

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