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BRASILIEN


21-25 März 2005


Zwei Rechtsanwälte

Francisco Lúcio França,
José de Jesús Filho

und

Isabel Peres ,

Koordinatorin von ACAT-Brasilien

haben Morddrohungen erhalten und sind eingeschüchtert worden

 

Zwei Rechtsanwälte und die Leiterin einer nichtstaatlichen Organisation haben Morddrohungen erhalten und sind eingeschüchtert worden, offenbar weil sie an der strafrechtlichen Verfolgung zweier mutmaßlicher Mitglieder einer „Todesschwadron“ beteiligt sind. amnesty international ist daher in ernster Sorge um ihr Leben.

 

Isabel Peres ist die Koordinatorin der brasilianischen Sektion der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation ACAT (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter). Zusammen mit den beiden Anwälten Francisco Lúcio França und José de Jesus Filho ist sie in die strafrechtliche Verfolgung von zwei Polizisten involviert, die des Mordes an zwei Jugendlichen beschuldigt werden. Der Prozess fand vom 21. bis 23. März 2005 in dem Ort Mongagúa an der Südküste des Bundesstaates São Paulo statt. Am Ende des ersten Verhandlungstages wurden Francisco Lúcio França und José de Jesus Filho von zwei Autos zu ihrer Unterkunft verfolgt. Am 26. März 2005 verfolgte ein anderes Fahrzeug Isabel Peres zu ihrer Unterkunft.

 

Francisco Lúcio França war am 25. März 2005 mit zwei Freunden in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt von São Paulo unterwegs, als ein Mann auf ihn zukam, der angab, ein Polizist namens „Lúcio” und Angehöriger einer Todesschwadron (grupo de extermínio) zu sein, welche „die Drecksarbeit für die Polizei“ mache. Er forderte Francisco Lúcio França auf, sich nicht mehr mit den mutmaßlichen Polizeimorden zu beschäftigen, andernfalls würde er sterben. Außerdem teilte er dem Anwalt mit, dass er nach São Paulo gekommen sei, zwei Personen zu „identifizieren“, womit er offensichtlich die beiden beschuldigten Polizeibeamten meinte, die zwei Tage zuvor freigesprochen worden waren. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin Rechtsmittel gegen den Freispruch eingelegt. Es steht nun zu befürchten, dass die Hauptbelastungszeugen in dem Mordfall in großer Gefahr sind, da sie ebenso wie die beiden beschuldigten Polizisten in Mongagúa wohnen, wo auch der Doppelmord verübt worden ist.

 

Den beiden Polizeibeamten wird zur Last gelegt, am 27. September 2002 den 16-jährigen Anderson do Carmo und den 20-jährigen Celso Gioelli Magalhães Júnior ermordet zu haben. Die beiden jungen Männer waren gerade in einer Bar in Mongagúa, als zwei Polizisten, die sie bereits zuvor bedroht hatten, sie aufforderten, in ihren Streifenwagen einzusteigen. Die beiden Männer versuchten daraufhin zu flüchten, wurden aber ergriffen und Augenzeugenberichten zufolge brutal geschlagen. Die Polizisten fuhren mit ihnen davon, angeblich, um sie auf der städtischen Polizeistation zu verhören. Einige Tage später fand man jedoch die verscharrten Leichen von Anderson do Carmo und Celso Gioelli Magalhães Júnior, die beide erschossen worden waren. Wie sich später herausstellte, waren die beiden Patronen in ihrem Körper von der Schusswaffe eines der beiden belasteten Polizisten abgefeuert worden. Weitere Indizienbeweise belasten auch den anderen Polizeibeamten. Daraufhin wurden die beiden Polizisten aus dem Dienst der Militärpolizei entlassen und wegen der Morde angeklagt.

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

 

In ganz Brasilien verüben „Todesschwadronen“ extralegale Hinrichtungen von Straftatverdächtigen, was oftmals von den Tätern als „soziale Säuberung“ bezeichnet wird. Auch sind die Angehörigen dieser Liquidationskommandos vielfach selbst an Aktivitäten des organisierten Verbrechens beteiligt. Es handelt sich dabei häufig um ehemalige oder aktive Polizisten. In einigen Fällen konnten die Behörden Erfolge gegen die Umtriebe der „Todesschwadronen“ verbuchen, am augenfälligsten im Bundesstaat Bahia. Im Stadtteil Baixada Fluminense von Rio de Janeiro wurden hingegen am 31. März 2005 bei einer Schießerei mindestens 30 Menschen von einer „Todesschwadron“ getötet, darunter offenbar auch Militärpolizisten. Man nimmt an, dass es sich dabei um eine Vergeltungsaktion für das Vorgehen der Behörden gegen Korruption innerhalb der städtischen Militärpolizei und ihre Verbindungen zu den „Todesschwadronen“ handelte.

 

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie:

 

die Behörden auffordern, in Absprache mit den Betroffenen umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz von Francisco Lúcio França, Isabel Peres, José de Jesus Filho sowie der Kronzeugen im Mordfall Anderson do Carmo und Celso Gioelli Magalhães Júnior vom September 2002 zu ergreifen;

die Behörden auffordern, die gegen die oben genannten Personen gerichteten Morddrohungen und Einschüchterungen zum Gegenstand einer unabhängigen und transparenten Untersuchung zu machen, die zum Ziel hat, die Verantwortlichen zu ermitteln und vor Gericht zu stellen;

verlangen, dass alle Untersuchungen und strafrechtlichen Ermittlungen in Bezug auf den Mordfall Anderson do Carmo und Celso Gioelli Magalhães Júnior öffentlich gemacht werden;

sich darüber besorgt zeigen, dass Polizeibeamte mit den „Todesschwadronen“ in Zusammenhang gebracht werden;

die Behörden auffordern, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um die Umtriebe von „Todesschwadronen“ in ganz Brasilien zu untersuchen und zu bekämpfen.

APPELLE AN:

 

Exmo. Sr. Governador do Estado de São Paulo, Sr. Geraldo Alckmin, Palácio dos Bandeirantes, Av. Morumbi s/n, 05.598-900 São Paulo-SP, BRASILIEN

(Gouverneur des Staates São Paulo - korrekte Anrede: Vossa Excelência)

Telefax: (00 55) 11-3745 3738

 

Exmo. Secretário da Segurança Pública do Estado de São Paulo, Sr. Saulo de Castro Abreu Filho, Secretaria de Segurança Pública, Av. Higienópolis No. 758, 01238-000 São Paulo-SP, BRASILIEN (Minister für öffentliche Sicherheit von São Paulo - korrekte Anrede: Sr. Secretário)

Telefax: (00 55) 11-3823 5708; (00 55) 11-3291 6834

 

Exmo. Sr. Ministro da Justiça da República Federativa do Brasil, Dr. Márcio Thomaz Bastos, Ministério da Justiça do Brasil, Esplanada dos Ministérios, Bloco “T”, Edificio Sede, 70712-902 Brasília - D.F., BRASILIEN (Justizminister - korrekte Anrede: Vossa Excelência)

Telefax: (00 55) 61-322 6817

 

KOPIEN AN:

 

ACAT – Brasil, Praca Clovis Bevilaqua 351, 5º andar, sala 501, 01018-001 São Paulo – SP, BRASILIEN

(Menschenrechtsorganisation)

 

Kanzlei der Botschaft der Föderativen Republik Brasilien, Wallstraße 57, 10179 Berlin

(S. E. Herrn José Artur Denot Medeiros)

Telefax: 030–7262 8320 oder 030–7262 8321

E-Mail: brasil@brasemberlim.de

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch.

 

UA-Nr: UA-082/2005

AI-Index: AMR 19/013/2005

Datum: 07/04/2005

 

 

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