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GUATEMALA

MORDDROHUNGEN / SORGE UM SICHERHEIT

Armando Sánchez

Rechtsanwalt

 

Der Rechtsanwalt Armando Sánchez hat Morddrohungen erhalten und ist daher nach Auffassung von amnesty international in großer Gefahr. Offenbar zielen die Drohungen darauf ab, ihn zur Aufgabe seines Mandats in mehreren Gerichtsverfahren zu bewegen. In einigen dieser Fälle stehen Regierungsbeamte und mutmaßliche Drogenhändler unter Anklage.

 

Am 23. Dezember 2004 ging ein anonymer Anruf auf dem Mobiltelefon des Rechtsanwalts ein, in dem ihm gedroht wurde, er werde getötet, wenn er nicht innerhalb von fünf Tagen das Land verlasse. Er meldete die Morddrohungen, und man gewährte ihm daraufhin Polizeischutz rund um die Uhr. Am 26. Dezember 2004 erschienen um 2 Uhr nachts drei Männer im Wohngebiet von Armando Sánchez und fragten bei Nachbarn nach dem Haus des Rechtsanwalts. Die Unbekannten hielten sich aber von dem Haus fern, weil zwei Polizisten vor der Tür standen. Der permanente Polizeischutz erstreckte sich auf eine Woche und ist danach auf drei Stunden pro Nacht reduziert worden. Am 6. Januar 2005 erschienen die Polizisten jedoch nicht, obwohl Polizeischutz zugesagt worden war.

 

Offenkundig stehen die Morddrohungen gegen Armando Sánchez mit seiner Arbeit als Rechtsanwalt in mehreren Verfahren in Zusammenhang. Zu seinen Mandanten gehören eine lokale Menschenrechtsorganisation, deren Mitglieder Vertretern der örtlichen Behörden vorwerfen, einem Mordverdächtigen zur Flucht verholfen zu haben, sowie eine Frau, deren Ehemann von Drogenhändlern ermordet worden sein soll, und Landarbeiter und Kleinbauern, die in Auseinandersetzungen mit Grundbesitzern stehen. Zudem geht es in den Gerichtsverfahren um rechtswidrige Entlassungen, Unterschreitung der Mindestlöhne, ausstehende Lohnzahlungen und die Vertreibung von Kleinbauern von zwei Farmen in der Umgebung.

 

Im August vergangenen Jahres erstattete Armando Sánchez Anzeige gegen die Lokalpolizei, der er vorwarf, in seiner Heimatstadt Coatepeque im Departement Quetzaltenango eine wichtige Durchgangsstraße rechtswidrig gesperrt zu haben. Nachdem er die Anzeige erstattet hatte, warf ihm ein Staatsanwalt Nötigung und Anstiftung zu einer Straftat vor (incitacion a delinquir) vor. amnesty international betrachtet die Anschuldigungen als unbegründet und sieht sie als Versuch an, den Rechtsanwalt von seiner Tätigkeit abzuhalten.

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

 

Rechtsanwälte, die Mandanten vertreten, welche Behördenvertretern Korruption vorwerfen, gegen Drogenhandel vorgehen oder Kleinbauern in Landkonflikten vertreten, werden in Guatemala systematisch eingeschüchtert, um sie zu bewegen, ihre Tätigkeit einzustellen.

 

Im vergangenen Jahr wurden in Guatemala zwei Rechtsanwälte und zwei Richter ermordet, wobei die Tatmotive offenbar mit der Arbeit der Juristen in Zusammenhang standen. Zahlreiche weitere Rechtsanwälte und Zeugen erhalten immer wieder Morddrohungen, weil sie an Fällen arbeiten, in denen Regierungsvertretern Korruption und andere Straftaten zur Last gelegt werden. Die Kongressabgeordnete Nineth Montenegro hat im November 2004 eine Morddrohung erhalten, die offenbar mit ihren Untersuchungen von Korruptionsfällen in hochrangigen Militärkreisen in Zusammenhang stand (s. UA 324/04 vom 30. November 2004). Gegen mehrere Rechtsanwälte, die Kleinbauern in Konflikten mit ihren Arbeitgebern vertreten, sind grundlos Anklagen erhoben worden, um sie davon abzuhalten, ihre Arbeit für diese Mandanten fortzusetzen.

 

EMPFOHLENE AKTIONEN: Bitte schreiben Sie Luftpostbriefe, Telefaxe oder E-Mails, in denen Sie

 

Ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, dass es für Rechtsanwälte wie Armando Sánchez und andere Juristen angesichts von Drohungen und Drangsalierungen zunehmend schwierig wird, ihre legitime Arbeit fortzusetzen;

die Behörden auffordern, den 24-Stunden-Polizeischutz für Armando Sánchez wieder aufzunehmen;

fordern, dass sofort eine unparteiische und umfassende Untersuchung der gegen Armando Sánchez gerichteten Morddrohung vom 23. Dezember 2004 eingeleitet wird, die Ergebnisse der Ermittlungen veröffentlicht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden;

die Behörden auffordern, sicherzustellen, dass Rechtsanwälte und andere Juristen ihre Tätigkeit ohne Angst vor Drangsalierungen und Drohungen fortsetzen können.

 

APPELLE AN:

 

Carlos Vielman, Ministro de Gobernación, Ministerio de Gobernación, 6a Avenida 4-64, Zona 4, nivel 3 Ciudad de Guatemala, GUATEMALA (Innenminister - korrekte Anrede: Señor Ministro)

Telefax: (00 502) 2362 0237

E-Mail: ministro@mingob.gob.gt

 

Oficial Segundo Norberto Revolorio Hernandez, Jefe de Estacion PNC Coatepeque,

2da Calle, 3av, Zona 3, Coatepeque, Quetzaltenango, GUATEMALA (Polizeichef von Quetzaltenango – korrekte Anrede: Estimado Señor Oficial Segundo)

Telefax: (00 502) 775 1370

 

KOPIEN AN:

Lic. Rodolfo Hernandez, Fiscal Distrital del Ministerio Público,

6ª Calle 5-65, Zona 2, Barrio El Rosario, Coatepeque, Quetzaltenango, GUATEMALA (Bezirksstaatsanwalt – korrekte Anrede: Estimado Fiscal Distrital)Telefax: (00 502) 775 1645

Diario "Prensa Libre", 13 Calle 9-31, 50 nivel, Edificio Prensa Libre, Zona 1, Ciudad de Guatemala 01001, GUATEMALA (Zeitung)

Telefax: (00 502) 2251 8768

 

Lic. Armando Sanchez

5 calle 1-01, Local 5, zona 2, Barrio Rosario, Coatepeque, GUATEMALA

(Anwaltskanzlei von Armando Sanchez)

Telefax: (00 502) 7775 1106

Kanzlei der Botschaft der Republik Guatemala, Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG., 10557 Berlin

(S. E. Herrn Julio Roberto Palomo Silva)

Telefax: 030-2064 3659

E-Mail: embaguate.alemania@t-online.de

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch.

UA-Nr: UA-005/2005

AI-Index: AMR 34/003/2005

Datum: 07/01/2005

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